03.03.2026 | XING
Hamburg, 3. März 2026. Warum verlassen Frauen ihren Arbeitgeber? Und was können Unternehmen tun, um weibliche Fachkräfte für sich zu gewinnen? Die nach Geschlechtern ausgewerteten Kernergebnisse der von forsa durchgeführten XING Wechselwilligkeitsstudie 2026 zeigen: Vor allem ein zu niedriges Gehalt und Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft (jeweils 37 %) sowie ein hohes Stresslevel (36 %) sind ausschlaggebende Gründe dafür, dass Frauen sich nach einem neuen Job umschauen. Fehlende Aufstiegschancen fallen aktuell aber fast genauso häufig ins Gewicht (33 %). Von einem potenziellen neuen Arbeitgeber wünschen sich die befragten Frauen vor allem langfristige Jobsicherheit (68 %), flexible Arbeitszeiten (65 %) und gutes Führungsverhalten (64 %). Eine schlechte Führungskultur wäre für fast jede zweite weibliche Erwerbstätige (43 Prozent) ein Grund, sich trotz besserer Bezahlung nicht bei einem Unternehmen zu bewerben.
Auch wenn die Absicht, einen neuen Arbeitgeber zu suchen, bei den befragten Frauen und Männern aktuell ähnlich stark ausgeprägt ist (Frauen 32 %, Männer 34 %), zeigt sich bei Frauen in der Tendenz ein leichter Rückgang der Wechselbereitschaft (2025: 36 %, 2026: 32 %). Dabei geben Frauen an, generell unzufriedener mit ihrer Arbeitssituation zu sein als Männer: Während 38 Prozent der Männer sehr zufrieden mit ihrem Job sind, trifft das nur auf 32 Prozent der Frauen zu. Vor allem Gehalt (37 %), Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft (37 %) und Stress (36 %) sind bei Frauen, die einen Jobwechsel planen oder offen dafür sind, Treiber für Wechselbereitschaft. Aber auch Aufstiegschancen rücken mehr in den Fokus: Jede dritte Erwerbstätige (33 %; 2025: 25 %), die wechselbereit ist, sieht für sich zu geringe Entwicklungsmöglichkeiten beim derzeitigen Arbeitgeber.
„Wenig Aufstiegschancen und ein zu geringes Gehalt, dazu viel Stress und schlechte Führung – kein Wunder, dass einige Frauen unzufrieden im Job sind“, sagt Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte. „Die gesunkene Wechselbereitschaft ist daher weniger ein Ausdruck von Loyalität als eine Vorsichtsmaßnahme angesichts einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Zu dem Wunsch nach besseren Karrierechancen kann auch beitragen, dass Frauen überdurchschnittlich viel in Teilzeit arbeiten und hier oft keine Möglichkeiten geboten bekommen, sich beruflich weiterzuentwickeln.“
Erwartung an einen neuen Arbeitgeber: Frauen setzen andere Schwerpunkte
Auf der Wunschliste an einen neuen Arbeitgeber steht bei zwei von drei befragten Frauen Arbeitsplatzsicherheit (68 %) ganz oben. Flexible Arbeitszeiteinteilung (65 %) und gutes Führungsverhalten (64 %) haben ebenfalls einen Platz auf dem Siegertreppchen. Auch ein höheres Gehalt (60 %), ein sinnerfüllender Job (57 %) und ein attraktiver Standort des Unternehmens (55 %) sind für über die Hälfte der weiblichen Befragten wichtig.
In einigen Punkten gibt es klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern, vor allen Dingen beim Thema Arbeitsmodelle: Mit 51 Prozent legen Männer deutlich weniger Wert auf die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiteinteilung als Frauen (65 %), auch Remote-Arbeit ist für Frauen relevanter (Frauen: 48 %, Männer: 39 %). Zusätzlich spielen Gesundheit und das Miteinander für Frauen eine größere Rolle. Engagement für das psychische Wohlergehen (Frauen: 35 %, Männer: 25 %), Gesundheitsvorsorge für Mitarbeitende (Frauen: 32 %, Männer: 26 %) und Diversität (Frauen: 23 %, Männer: 13 %) sind ihnen wichtiger als Männern.
„Die Ergebnisse zeigen, dass viele Frauen stärker darauf achten, wie gut Arbeit zu ihrem Leben passt. Flexible Arbeitszeiten, Gesundheitsvorsorge oder das psychische Wohlbefinden sind keine Zusatzangebote, sondern zentrale Rahmenbedingungen. Sie spiegeln die Lebensrealität vieler Frauen wider – zwischen beruflicher Verantwortung und weiteren Aufgaben außerhalb des Jobs. Arbeitgeber, die das berücksichtigen, können ihre Attraktivität nachhaltig erhöhen“, so Dr. Julian Stahl.
Der Wunsch nach einem höheren Gehalt führt jedoch nicht notwendigerweise dazu, dass sich Beschäftigte auch bei einem Unternehmen bewerben. Tendenziell würden Frauen trotz besserer Bezahlung eher als Männer auf den neuen Job verzichten, wenn das Unternehmen einen für sie ungünstigen Standort hätte (Frauen: 45 %, Männer: 40 %). Auch eine schlechte Führungskultur (Frauen: 43 %, Männer: 37 %), schlechte Erfahrungen mit dem Arbeitgeber im Freundeskreis (Frauen: 29 %, Männer: 24 %), keine Möglichkeit zur Remote-Arbeit (Frauen: 24 %, Männer: 19 %) sowie die Tatsache, dass Produkte oder Leistungen nicht ihrer Wertvorstellung entsprechen (Frauen: 20 %, Männer: 15 %) spielen für sie eine etwas stärkere Rolle. Ein befristeter Arbeitsvertrag ist dagegen für sie ein weniger relevanter Faktor als für Männer (Frauen: 48 %, Männer: 60 %).
Vor die Wahl gestellt: Frauen entscheiden sich für mehr Zeit
Wenn es um die Frage geht, wofür sie sich entscheiden würden, wenn sie vor die Wahl zwischen zwei verschiedenen Aspekten gestellt wären, haben erwerbstätige Frauen oft andere Präferenzen als erwerbstätige Männer. 69 Prozent der befragten Frauen würden Work-Life-Balance statt höherem Gehalt wählen, aber nur 48 Prozent der Männer. Auch bei der Frage nach mehr Urlaubstagen oder einem höheren Gehalt liegt das Bedürfnis nach mehr freien Tagen vorn: 59 Prozent der Frauen würden sich dafür entscheiden, aber nur 44 Prozent der Männer. Einig sind sich die Geschlechter jedoch darüber, dass höhere Arbeitsplatzsicherheit (82 %; Männer: 79 %, Frauen: 86 %) bessere Karrierechancen sticht. „Mehr Zeit heißt hier aber nicht automatisch mehr Freizeit“, sagt Julian Stahl. „Frauen stemmen den Großteil der Care-Arbeit für die Familie und stellen ihre eigene Karriere vielfach hintenan, um ihren Alltag zu bewältigen.“
Frauen wollen im Rentenalter öfter als Männer aus finanziellen Gründen weiterarbeiten
Aber auch das Erreichen des regulären Rentenalters bedeutet nicht in jedem Fall Entspannung für weibliche Erwerbstätige. 44 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland geben an, dass sie „auf jeden Fall“ (11 %) oder wahrscheinlich (33 %) über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus beruflich tätig sein werden. Während es hier keine grundlegenden Differenzen zwischen den Geschlechtern gibt, sind die Gründe dafür zum Teil unterschiedlich. Zwar ist eine Hauptmotivation für beide Geschlechter, fit im Kopf zu bleiben (67 %), aber Frauen nennen häufiger als Männer soziale Motive und finanzielle Notwendigkeit als Gründe, im Rentenalter zu arbeiten. 64 Prozent der Frauen, die sich eine berufliche Tätigkeit über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus vorstellen können, möchten wegen sozialer Kontakte weiter im Job bleiben, bei den Männern sind es 54 Prozent. Für rund die Hälfte der befragten Frauen (51 %) spielt das zusätzliche Geld – zum Beispiel, weil die monatliche Rente nicht ausreicht – eine Rolle bei der geplanten Weiterarbeit, bei den Männern sind es nur 39 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zeigt der aktuelle sogenannte Gender Pension Gap, dass die Alterseinkünfte von Frauen 27,1 Prozent unter denen von Männern liegen.
„Frauen erleben nach wie vor strukturelle Benachteiligungen in der Arbeitswelt“, so Julian Stahl. „Dabei sind sie das Rückgrat von für die Gesellschaft so wichtigen Branchen wie Gesundheits- und Sozialwesen oder Bildung und Erziehung. Umso wichtiger ist es, Arbeitsbedingungen und Entwicklungsperspektiven so zu gestalten, dass Leistung und Verantwortung auch entsprechend anerkannt und finanziell honoriert werden.“
*Über die Studie:
forsa-Online-Umfrage im Januar 2026 unter 3.418 volljährigen, sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen (Arbeitende und Angestellte) in Deutschland im Auftrag von XING.
Die Wechselbereitschaft setzt sich aus zwei Kategorien zusammen: den Erwerbstätigen, die konkret planen, in diesem Jahr den Arbeitgeber zu wechseln sowie den Erwerbstätigen, die offen für einen Jobwechsel sind, aber noch keine konkreten Schritte unternommen haben.
*Die forsa-Studie zur Wechselwilligkeit im Auftrag von XING wird seit 2012 erhoben. Sie befasst sich mit Themen wie der Arbeitszufriedenheit und der Wechselbereitschaft von Beschäftigten sowie den Wünschen von Beschäftigten an Arbeitgeber. Zum Studiendesign gehört dabei ein modularer Fragebogen mit einem festen, wiederkehrenden Fragenteil für den Zeitvergleich sowie variablen Fragen, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen.
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