04.02.2026 | XING
Hamburg, 4. Februar 2026 – Die schwierige wirtschaftliche Lage wirkt sich auf die Arbeitswelt der Beschäftigten in Deutschland aus: Mit aktuell 34 Prozent ist die Jobwechselbereitschaft der Erwerbstätigen im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig. Sehr oder eher große Sorgen um den Verlust ihres Arbeitsplatzes im laufenden Jahr machen sich jedoch nur 8 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Knapp zwei Drittel (63 %) sind darüber hinaus der Überzeugung, innerhalb eines halben Jahres eine neue Stelle finden zu können. Auf der Wunschliste an einen neuen Arbeitgeber stehen dabei vor allem langfristige Jobsicherheit (70 %) und höheres Gehalt (63 %). Die forsa-Studie im Auftrag des Job-Netzwerks XING wird seit 2012 durchgeführt.
Vor allem im Vergleich mit den Jahren 2019 bis 2024, in denen die Wechselbereitschaft (bis auf einen pandemiebedingten Knick 2021) bei 37 bis 39 Prozent lag, ist ein leichter Rückgang erkennbar (2026: 34 %) – obwohl rund zwei Drittel der Beschäftigten (63 %) davon ausgehen, innerhalb der nächsten sechs Monate einen neuen Job finden zu können. Die Wechselbereitschaft setzt sich dabei aus zwei Kategorien zusammen: denjenigen Beschäftigten, die konkret im laufenden Jahr einen Arbeitgeberwechsel planen (8 %, 2025: 7 %) und denjenigen, die offen für einen Jobwechsel sind, aber noch keine konkreten Schritte unternommen haben (26 %, 2025: 29 %). „Die Beschäftigten in Deutschland reagieren auf die anhaltende Wirtschaftsflaute mit einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit. Das hat auch Auswirkungen auf die Wechselbereitschaft und die Jobsuche. Gleichzeitig bewerten sie ihre persönliche Lage weiterhin positiv“, so Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte. „Viele unterscheiden offenbar sehr klar zwischen der angespannten Gesamtsituation und ihrer eigenen als stabil wahrgenommenen Arbeitssituation.“
Mit 44 Prozent grundsätzlicher Wechselwilligkeit ist die jüngste Generation am Arbeitsmarkt, die sogenannte GenZ (Jahrgänge 1997 bis 2012), weiterhin am ehesten auf dem Sprung, ihren aktuellen Arbeitgeber zu verlassen (2025: 48 %, 2024: 50 %). Mit 40 Prozent (2025: 44 %, 2024: 47 %) liegen die Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) ebenfalls über dem Durchschnitt. „Gerade in den jüngeren Generationen hat die Bereitschaft zum Jobwechsel in den vergangenen Jahren abgenommen“, so Arbeitsmarktexperte Stahl. Die Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1980) ist mit 29 Prozent unterdurchschnittlich wechselwillig, bei den Babyboomern (Jahrgänge 1946 bis 1964, Alter der Befragten bis 67 Jahre) ist der Anteil mit 17 Prozent erwartungsgemäß gering ausgeprägt.
Zu niedriges Gehalt, fehlende Perspektiven und Belastung sind zentrale Faktoren für Wechselbereitschaft
Die Wechselbereitschaft wird dabei nicht immer von Unzufriedenheit angetrieben: Insgesamt sind 84 Prozent der Beschäftigten „sehr“ oder „eher“ zufrieden mit ihrer aktuellen Tätigkeit (2025: 85 %). Selbst unter den Wechselwilligen sind 6 von 10 (61 %, 2025: 68 %) eher/sehr zufrieden. Doch auch hier herrscht Ambivalenz: Denn über ein Drittel (36 %) fühlt sich mindestens einmal die Woche demotiviert oder hat keine Lust auf ihren Job – bei der Gen Z sogar 51 Prozent.
Auf der Liste der Wechselgründe steht auch dieses Jahr ein zu niedriges Gehalt (41 %). Darauf folgen hohes Stresslevel (36 %), fehlende Aufstiegschancen (38 %, 2025: 30 %) sowie Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft (34 %). Bei einigen Aspekten zeigen sich klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Themen Gehalt (Männer: 44 %, Frauen: 37 %) und Aufstiegschancen (Männer: 42 %, Frauen: 33 %) sind Männern wichtiger, Unzufriedenheit mit der Führungskraft ist für Frauen relevanter (Frauen: 37 %, Männer: 31 %). „Wenn Führungsqualität und Arbeitsbelastung negativ wahrgenommen werden, wirkt sich das auf die Motivation aus. Wird dann noch die Entlohnung als zu gering empfunden, führt das oft zu Bereitschaft zum Jobwechsel“, sagt Dr. Julian Stahl.
Die Gründe, einen Arbeitgeber nicht verlassen zu wollen, sind etwas anders gelagert als die für einen Wechselwunsch. Hier stehen Jobsicherheit 64 % und interessante Arbeitsaufgaben
(62 %) auf den ersten zwei Plätzen, dicht gefolgt vom derzeitigen Gehalt (57 %). Der kollegiale Zusammenhalt (57 %) an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz ist für die Mehrheit ebenfalls ein Grund zum Bleiben – Wertschätzung durch den Arbeitgeber ist es dagegen weniger (39 %).
Sicherheit und finanzielle Rahmenbedingungen sind zentrale Kriterien bei der Arbeitgeberwahl
Der Wunsch nach Sicherheit beeinflusst auch die Anforderungen an einen neuen Arbeitgeber: Ein langfristig sicherer Job steht an der Spitze der Liste (70 %). Dicht darauf folgen höheres Gehalt (63 %) und gutes Führungsverhalten (62 %). Rund die Hälfte legt darüber hinaus Wert auf flexible Arbeitszeiteinteilung (58 %), einen sinnerfüllenden Job (57 %), einen attraktiven Standort des Unternehmens (54 %), keine Wochenend-, Nacht- oder Feiertagsarbeit (46 %) sowie die Möglichkeit zur Remote-Arbeit (43 %).
Jobsicherheit sticht höheres Gehalt
Vor die Frage gestellt, was für sie im Arbeitsleben wichtiger ist, haben sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Deutschland bei der Wahl zwischen zwei Aspekten klare Präferenzen. Mehr Jobsicherheit (61 %) sticht höheres Gehalt (39 %). Bessere Work-Life-Balance (58 %), z.B. durch flexible Arbeitszeiteinteilung, ist ebenfalls beliebter als höheres Gehalt (41 %). Dabei würden 69 Prozent der Frauen die Work-Life-Balance wählen, aber nur 48 Prozent der Männer. Auch bei der Frage nach mehr Urlaubstagen (51 %) oder höherem Gehalt (48 %) liegt das Bedürfnis nach mehr Freizeit knapp vorn. Mit 59 Prozent ist der Anteil der Frauen, die sich mehr Freizeit wünschen, deutlich höher als der der Männer (44 %). Klar punkten kann höheres Gehalt (61 %) allerdings gegen bessere Unternehmenskultur (39 %) – mit 64 Prozent (Männer) und 58 Prozent (Frauen) sind sich hier die Geschlechter deutlich einiger. Wenn es um höhere Arbeitsplatzsicherheit (82 %; Männer: 79 %, Frauen: 86 %) versus bessere Karrierechancen (17 %) geht, ist die Entscheidung sehr deutlich. Eine sichere, aber langweilige Stelle (58 %) ist für beide Geschlechter attraktiver als ein spannender Job mit weniger Arbeitsplatzsicherheit (41 %).
Stimmungslage optimistisch: keine Angst vor Jobverlust, wenig Furcht vor KI
Beschäftigte sind nicht nur zuversichtlich, innerhalb eines halben Jahres einen neuen Job finden zu können, sondern glauben auch zu 91 Prozent (2025: 91 %, 2024: 94 %), dass sie ihre Stelle im laufenden Jahr nicht verlieren werden. Auch künstliche Intelligenz macht dem überwiegenden Teil keine Sorge: Zwei von drei Befragten (64 %) sehen keine Gefahr für ihren Arbeitsplatz durch KI. Insgesamt 13 Prozent sind sich einer Gefährdung bewusst, aber nur drei Prozent haben sich bislang aktiv über einen potenziellen Wechsel des Berufs oder der Branche informiert.
Zwei Drittel der Befragten (68 %) würden ihre derzeitige berufliche Tätigkeit auf jeden Fall (28 %) oder wahrscheinlich (40 %) ihrem Kind bzw. einem Kind oder jungen Menschen in ihrem Umfeld weiterempfehlen. „Für die meisten Menschen ist Arbeit mehr als nur ein Job. Und daher bleibt das Thema auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten grundsätzlich positiv besetzt, auch wenn das Bedürfnis nach Sicherheit und finanzieller Absicherung steigt“, sagt Dr. Julian Stahl. „Als Quelle von Sinn, sozialer Einbindung und persönlicher Zuversicht bleibt Arbeit ein zentraler Teil des Lebensentwurfs der Menschen.“
Über die Studie:
forsa-Online-Umfrage im Dezember 2025 und Januar 2026 unter 3.418 volljährigen, sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen (Arbeitende und Angestellte) in Deutschland im Auftrag von XING.
Die forsa-Studie zur Wechselbereitschaft im Auftrag von XING wird seit 2012 erhoben. Sie befasst sich mit Themen wie der Arbeitszufriedenheit und der Wechselbereitschaft von Beschäftigten sowie den Wünschen von Beschäftigten an Arbeitgeber. Zum Studiendesign gehört dabei ein modularer Fragebogen mit einem festen, wiederkehrenden Fragenteil für den Zeitvergleich sowie variablen Fragen, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen. Alle in der Erhebung gemessenen Werte unterliegen einer statistischen Fehlertoleranz.
Eine vertiefende Analyse sowie weiterführende Recruiting-Trends finden Sie im Whitepaper zur Studie 2026: https://recruiting.xing.com/de/downloads/forsa-wechselbereitschaftsstudie-2026/
Über XING
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Infografiken zur XING Wechselwilligkeitsstudie 2026